Edith
Von Edith
Hallo Gaby,
Ich hoffe Du hast jetzt nicht auf meine Antwort gewartet, sondern mein Einverständnis einfach mal vorausgesetzt, denn das hast du auf jeden Fall. Ich sehe das nicht so eng - ich bin von Geburt Rheinländerin, bin am Rhein in Bad Godesberg aufgewachsen und habe dort die ersten 23 Jahre meines Lebens gelebt (nicht nur verbracht!), bis uns vor 29 Jahren die Bundeswehr nach Unna "gerufen" hat. Ich weiß nicht, ob du Rheinländer kennst. Wenn nicht, dann sage ich dir: Wir nehmen alles nicht so genau, und bis wir etwas krumm nehmen, da muss es schon richtig dick kommen.
Ich freue mich, wenn dir meine Vorstellung von "meinem" Otto von Qualm ebenso gefällt wie mir.
Ob du es glaubst oder nicht, aber wir zwei freunden uns - glaube ich - wirklich an.
Letztens habe ich an einer Weihnachtsfeier mit alten Kollegen teilgenommen. Die Kollegen kannten mich natürlich noch rauchend. Da blieb es also gar nicht aus, dass mir der eine oder andere eine Zigarette anbot.
Ich erwiderte dann zwar immer, dass ich am 30.09. meine letzte Zigarette geraucht habe und seitdem rauchfrei bin, aber ich merkte auch, wie Otto immer größere Ohren und Augen bekam. Er wollte sich sogar die Augen zuhalten und versprach, mir es nie vorzuhalten, wenn ich doch nur eine, eine winzig kleine, superleichte Zigarette von meinem Kollegen nähme und rauchte. Dabei grienlächelte er und rieb sich in Vorfreude seine kleinen, langen, spitzen Fingerchen! Solch ein Lumpenstrumpf! Dabei hatte er so etwas Rumpelstilzhaftes ...!
Ja, und genau das machte mich stark!! Ich wollte ihn doch zu gerne wild rumhüpfen sehen - und lehnte das Angebot meines Kollegen ab.
Doch Otto reagierte gar nicht wie Rumpelstilzchen, denn er sank quasi in sich zusammen und war doch sehr enttäuscht, dass seine Überredungskünste nicht so wirkten, wie er gehofft hatte. Da hat er mir Leid getan.
Nein, nicht dass du denkst, ich hätte dann ihm zuliebe eine Zigarette angenommen und geraucht. Nein, nein, so weit geht meine Liebe zu Otto dann doch nicht. Aber ich habe ihn getröstet und versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er vielleicht am nächsten Zigarettenautomaten zu einem noch aktiven Raucher wechseln sollte - wobei mir schon ein wenig schwer ums Herz wurde. Otto einfach so weggeben und zusehen, wie er sich einfach bei einem anderen einnistet? Aber damit Otto wieder fröhlich sein konnte, hätte ich den Weg zum Zigarettenautomaten gemacht.
Oh, aber was hatte ich da gesagt?! Er sei doch kein Floh, der einfach so von einem zum anderen spränge. Nee, nee, er sei ja schließlich nicht ohne Grund m e i n Otto von Qualm, und der wolle er auch bleiben.
Denn wir könnten doch auch so Freunde bleiben, oder? Und kleinlaut fügte er hinzu: "Und außerdem weiß man ja nie, was noch alles so kommt ...?!?!"
Du siehst, während Otto nach wie vor zu hoffen scheint, mich wieder auf die Qualmer-Seite ziehen zu können, fühle ich mich pudelwohl so qualmfrei. Und wenn ich nicht hin und wieder mit Otto reden würde (oder er mit mir?), würde mir ja doch was fehlen ...
Aber hast du seinerzeit auch gemerkt, dass dich die Leute ein wenig doof anschauen, wenn du ihnen von Otto von Qualm erzählst?
Ich lege allen Rauchern meines Bekanntenkreises dein Buch dabei nahe, aber sie können sich nicht vorstellen, dass man auf solch - im wahrsten Sinne des Wortes - phantastische Art und Weise zum Nichtraucher werden kann ...
Da versuchen sie es lieber mit der Chemiekeule und tragen ihr Nikotinpflaster.
Aber nun ja, wie sagen wir Rheinländer immer: Jeder Jeck is anders ...
Edith

